Doping – gefährliche Tendenz bei Hobbysportlern

Im Leistungssport ist Doping ein Phänomen, das seit langem ein Problem ist. Zahllose Sportler versuchen mit Medikamenten und Hormonen ihre Leistung zu steigern, um ein Zünglein an der Waage zu schaffen und die entscheidende Zehntelsekunde schneller zu sein oder die siegbringenden Gramm mehr zu stemmen. Seit langem stehen zahlreiche Präparate auf einer schwarzen Liste und Prüfer untersuchen regelmäßig Profisportler, um festzustellen, ob sie eines dieser Präparate eingenommen haben. Dass sie alle schwarzen Schafe entdecken, kann bezweifelt werden, die Dunkelziffer der Profisportler, die dopen, ist lang. Und wenn sie einen Sünder entdecken, sind die Betroffenen um keine kreative Ausrede verlegen. Doping wird auch zunehmend ein Problem im Hobbysport. Sogar Potenzmittel wie Viagra müssen herhalten, um die Leistung zu steigern.

Klischee-Doper: Bodybuilder

Wer an Doping im Hobbysportbereich denkt, hat zunächst einmal junge Männer mit riesigen Muskelbergen vor dem inneren Auge, die nicht auf natürliche Weise im Fitnessstudio aufgebaut sein können. Steroide sind unter Bodybuildern auch im Hobbybereich weit verbreitet, die Sportler versuchen mit allen Mitteln, ihre natürliche genetische Grenze zu verschieben, die ihren Muskelaufbau begrenzt. Die Folgen sind gravierend. Nicht nur, dass sich um die Steroide ein enormer Schwarzmarkt aufgebaut hat, in dem enorme Summen mit den Mitteln verdient werden, auch für die Sportler selbst hat die Einnahme der Präparate gravierende Folgen.

Chaos im Hormonhaushalt

Die Steroide haben einen enormen Einfluss auf den Hormonhaushalt der Konsumenten. Dieser wird durcheinandergebracht, das kleinste Resultat mag noch die Persönlichkeitsveränderung durch die Steroide sein. Wenn sie sich nicht gerade zu einem sogenannten Roid Rage auswächst, einem der berüchtigten Wutanfälle, die von Steroiden ausgelöst werden. Weitere Folgen sind schrumpfende und eine sinkende Qualität der Spermien. Manche Männer neigen dazu, Brüste ähnlich einem Busen zu entwickeln, die in der Szene sogenannten „Bitch Tits“. Frauen hingegen beginnen, männliche Attribute zu entwickeln. Werden die Steroide zudem nicht auf die richtige Weise abgesetzt, bleibt der Hormonhaushalt durcheinander, die Hoden regenerieren sich nicht wieder, eine Impotenz droht. Neben den Auswirkungen auf den Hormonhaushalt drohen beim Missbrauch von Steroiden auch Schäden an den Organen. Dass Hobbybodybuilder in vergleichsweise jungen Jahren an einem multiplen Organversagen sterben, ist nicht selten.

„Synthol-Opfer“

Bei Bodybuildern, die mehr Wert auf Optik als auf Kraft legen, hat sich in den vergangenen Jahren ein weiterer Trend entwickelt, der in Randbereichen zum Doping gehört. Sie spritzen sich Synthol-Öl unter die Haut, um Muskeln zu simulieren. Allerdings kann dies leicht erkannt werden, da die betroffenen Körperstellen auf eine unnatürliche Weise anschwellen und der Rest des Körpers zumeist weniger entwickelt ist. In der Szene haben die als „Synthol-Opfer“ bezeichneten Männer allerdings keinen hohen Stand, sie sind häufig das Ziel von Hohn und Spott. Zudem setzen auch sie sich erheblichen Gefahren aus, da sich die mit Synthol behandelten Stellen entzünden können. Zudem lässt das Öl langfristig die Muskeln schrumpfen oder verhärten. Amputationen betroffener Körperteile sind keine Seltenheit, um die Schmerzen zu beenden. Schlimmstenfalls drohen eine tödliche Lungenembolie, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall, wenn das Öl-Gemisch versehentlich in ein Blutgefäß injiziert wird.

Doping in allen Gesellschaftsbereichen

Doch Doping ist nicht nur bei den Bodybuildern und Kraftsportlern weit verbreitet. Und nicht nur junge Männer aus der unteren Mittelschicht versuchen, sich im Hobbysportbereich mit Doping einen Vorteil zu verschaffen, auch wenn sie in der Dopingszene noch deutlich überrepräsentiert sind, wie Studien belegen. Doch die Zahl der Studenten, Akademiker, Hausfrauen und auch Senioren greifen häufiger zu Substanzen, welche die Leistung beeinflussen. Vor allem in der Läuferszene steigt die Anzahl der Konsumenten stetig an, auch wenn die Präparate, die sie einnehmen, sich deutlich von den Steroiden der Bodybuilding Szene unterscheiden.

Läufer greifen zu Schmerzmitteln

So greifen die Läufer zunehmend zu Schmerzmitteln, um mehr Leistung zu bringen. Die Schmerzmittel wirken allerdings nicht direkt leistungssteigernd, sondern indirekt. So können auch Läufer zu einem Marathon antreten, die unter Schmerzen der Sehnen oder der Hüfte leiden. Mit den Schmerzmitteln ist es auch möglich, länger auf der Strecke durchzuhalten, da diese die Warnsignale des Körpers unterdrücken. Und nichts anderes sind Schmerzen, sie deuten an, dass etwas nicht stimmt und der Körper Ruhe benötigt. Die Läufer schaden damit ihrem Körper, wenn sie die Warnsignale unterdrücken und riskieren Verletzungen und auf lange Sicht chronische Erkrankungen.

Schmerzmittel im Fitnessstudio

Aus Krankenhäusern und Arztpraxen sind zunehmende Warnungen zu vernehmen. Die Mediziner berichten von Hobbysportlern, die mit blutigen Magengeschwüren und Blut im Stuhl eingeliefert werden. Diese Erkrankungen sind ebenso auf die exzessive Nutzung von Schmerzmitteln zurückzuführen wie Nierenschäden, die Organe müssen nicht selten entfernt werden. Der Trend der Schmerzmittel erobert seit einiger Zeit die Fitnessstudios, selbst Hausfrauen steigen oftmals nicht mehr aufs Trampolin oder Spinning Rad, ohne eine Schmerztablette eingenommen zu haben. Ein beunruhigender Trend, der durch zahlreiche Foren im Internet befeuert wird, in denen sich dopende Hobbysportler vernetzen und sich über die Medikamente austauschen.

Neuer Trend im Hobbysport – Viagra

Ein weiterer Trend, der auch im Leistungssport seit Jahren kontrovers diskutiert wird, kommt von sehr bekannten kleinen, blauen und rautenförmigen Pillen – Viagra. Das Medikament wurde 1998 eigentlich auf den Markt gebracht, um die Leistung der Männer im Bett zu steigern, die an einer erektilen Dysfunktion leiden. Dass die kleinen blauen Leistungssteigerer mit der Zeit auch ihren Weg vom Bett in die Sportwelt finden, war nur eine logische Konsequenz. Und die Zeit war recht kurz, bis Viagra auch im Leistungssport Anwendung fand. Bereits Mitte 1998, als das Medikament auf den Markt kam, geriet das Potenzmittel kurz vor dem Beginn der Fußball-WM ins Visier der Dopingfahnder.

Viagra verbessert die Sauerstoffaufnahme und erweitert die Blutgefäße

Den Weg auf die schwarze Liste der Fahnder fand das Potenzmittel bis heute nicht, doch die Nutzung von Viagra im Leistungssport wird bis heute kontrovers diskutiert. Immer wieder fordern Experten, das Medikament aus der Welt des Leistungssports zu verbannen. Besonders Bergsteiger und die Radfahrer der Tour de France schwören auf Viagra, da das Potenzmittel die Sauerstoffaufnahme des Blutes verbessern und die Blutgefäße erweitern. Dies verbessert die Leistungsfähigkeit der Sportler besonders in Höhenlagen, über welche die Route der Tour de France führt.

Beliebt bei Bodybuildern, die Steroide konsumieren

Auch Hobbyradler versuchen, sich mit dem Medikament zu dopen. Doch nicht nur diese. Auch den Weg in die Fitnessstudios der Nation hat es das Präparat geschafft. Nicht zuletzt in die Taschen der Bodybuilder, deren sexuelle Leistungsfähigkeit durch die Steroide leidet und die wieder gesteigert werden soll, wodurch ein gefährlicher Cocktail konsumiert wird, bei welchem Wechselwirkungen drohen. Eine weitere Verbreitung wird wohl eine Meldung bewirken, welcher zufolge das Präparat die Fettverbrennung beeinflusst.

Umwandlung von weißem Fett in beiges Fett

So haben Forscher bei Studien an Mäusen den Nebeneffekt beobachten können, dass bei diesen nach dem Verabreichen von Viagra das weiße Körperfett, das vom Körper nicht verbrannt werden kann, in beiges Körperfett, woraus Energie gewonnen wird. Mit einer Untersuchung an menschlichen Probanden soll in China überprüft werden, ob dieser Effekt auch beim Menschen eintritt. Sollte dies zutreffen, wird sich der erfolgreiche Weg des Präparats in Sportlerkreisen ausweiten. Dabei sollte aber beachtet werden, dass Viagra kein Spielzeug ist, sondern ein Medikament mit Risiken und Nebenwirkungen. Es sollte daher nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Harald Berger

Pharmakologie ist mein Fach. Aktuell geniesse ich die Zeit nach dem Studium. Ich bin Schweizer und lebe in Bern. Ich unterstütze die Apotheke Schweiz mit Artikel sowie Produktbeschreibungen.
Harald Berger