Impotenz – schon lange kein Tabuthema mehr

Lange Zeit hat die Männerwelt vor allem mit einem Problem zu kämpfen gehabt – Impotenz beziehungsweise die erektile Dysfunktion, wie die Impotenz in Fachkreisen genannt wird. Die Diagnose bedeutete für Generationen von Männern das schlimmste Schicksal, was sie treffen kann. Dies hat einen bestimmten Grund. Aufgrund der traumatischen Erfahrung wollte auch kein Mann, dass irgendjemand von dieser Diagnose erfährt. Zu gross waren die Scham und die Furcht, ausgelacht zu werden. Das Tabu war lange Zeit undurchdringlich und stand felsenfest, daher war auch die Dunkelziffer der Betroffenen und auch viele Faktoren, welche die erektile Dysfunktion begünstigten, nicht geklärt. Das hat sich geändert, das Tabu bröckelt seit einigen Jahren zunehmend, die Männer gehen offener mit ihrer erektilen Dysfunktion um. Auch das hat seinen Grund.

Je nach Studie eine unterschiedliche Anzahl von Betroffenen

Da das Tabu um die erektile Dysfunktion kein so festes Tabu mehr ist, kann die Anzahl der Betroffenen nun ziemlich genau angegeben werden. Wie etwa der Gesundheitsratgeber des Magazins Focus schreibt, geht die Forschung derzeit davon aus, dass durchschnittlich jeder fünfte Mann in seinem Leben an irgendeiner Form der erektilen Dysfunktion leiden wird. Allerdings ist sich dir Forschung nicht ganz einige, da sich die Forscher der Studien auf unterschiedliche Definitionen der erektilen Dysfunktion berufen oder den vorzeitigen Samenerguss nicht gesondert behandeln, sondern als eine Kategorie der erektilen Dysfunktion behandeln. Dies erscheint naheliegend, da der vorzeitige Samenerguss und die erektile Dysfunktion oftmals Hand in Hand gehen, auch wenn es paradox klingt. Diese Studien gehen daher davon aus, dass mindestens jeder zweite Mann in seinem Leben an einer erektilen Dysfunktion leidet.

Beschädigung des Selbstbildes des Mannes

Doch trotz dieser hohen Anzahl an Leidensgefährten scheuten sich die Männer lange Zeit, darüber zu reden. Verständlich, da sie ja nichts von den Leidensgenossen wussten, da keiner davon redete. Auch zu einem Arzt, der ihnen hätte helfen können, trauten sich die Männer aus Scham nicht. Der Grund für das Tabu lag und liegt in den Gesellschaften. Ein Mann wurde und wird nur als Mann angesehen, wenn er stark ist, potent und zeugungsfähig, immer bereit, seine Partnerin zu befriedigen. Wird dies durch eine erektile Dysfunktion beeinträchtigt, nagt dies sehr stark am Selbstbild des betroffenen Mannes, der sich nur noch als halber Mann fühlt.

Die Ursachen der erektilen Dysfunktion waren weitgehend unbekannt

Hinzu kam lange Zeit, dass die erektile Dysfunktion kaum behandelt werden konnte, da die Präparate, die aus der Natur gewonnen wurden und nur wirkten, wenn der betroffene Mann Glück hatte, da die biologische Verfügbarkeit der Wirkstoffe stark schwankte. Zudem war nur wenig über die körperlichen und seelischen Faktoren bekannt, welche die erektile Dysfunktion auslösen. Eine erektile Dysfunktion tritt nie singulär auf, sondern stets nur zusammen mit einer tiefer liegenden Ursache. Und um die erektile Dysfunktion erfolgreich und nachhaltig zu behandeln, müssen eben diese Ursachen erkannt und gelöst werden.

„Wer es nicht benutzt, dem fällt es ab.“

In den vergangenen Jahren hat die Forschung enorme Fortschritte gemacht und die meisten Ursachen, die eine erektile Dysfunktion begünstigen, ausgemacht und entsprechende Behandlungsmethoden entwickelt mit weit effektiveren Medikamenten als den zuvor erhältlichen Präparaten. Viel kann der Mann jedoch auch tun, um zu verhindern, dass es zu einer erektilen Dysfunktion überhaupt erst kommt. Die Möglichkeiten sind vielfältig. So schützt ein regelmässiges Beckenbodentraining beispielsweise vor einer leichten erektilen Dysfunktion. Und auch wenn der Mann einmal keine Partnerin hat, sollte er sich nicht scheuen, selbst Hand an sich zu legen und sich Freude zu bereiten. Denn wie heisst es so schön? „Wer es nicht benutzt, dem fällt es ab.“

Die Vorerkrankungen vom Arzt diagnostizieren lassen

Bei einer gravierenden erektilen Dysfunktion ist allerdings der Besuch bei einem Arzt angeraten, auch wenn es vielen Männern, die von einer erektilen Dysfunktion betroffen sind, auch heute noch schwer fällt. Denn wie bereits erwähnt, ist die erektile Dysfunktion häufig nur ein Ausdruck für tiefer liegende Ursachen. So begünstigen die typischen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine erektile Dysfunktion. Solange diese Erkrankungen nicht erfolgreich behandelt werden, stehen die Chancen auf ein Ende der erektilen Dysfunktion gering. Auch seelische Probleme können als Faktoren für eine erektile Dysfunktion auftreten. Probleme wie Stress in der Beziehung oder am Arbeitsplatz lassen sich bereits durch ein Gespräch lösen. Wird die erektile Dysfunktion durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst oder durch Missbrauchserfahrungen, ist der Gang zu einem Therapeuten angeraten.

Medikamente haben die Zäsur im Bewusstsein ausgelöst

Die Mediziner können zudem auf weitere Hilfsmittel zurückgreifen, um die erektile Dysfunktion zu behandeln, auf effektive Medikamente, die deutlich besser wirken als die Präparate, die in der Vergangenheit aus Flora und Fauna gewonnen wurden und welche die Behandlung begleiten. Und gerade diese Medikamente haben im Bewusstsein der Männer diese Zäsur in der Wahrnehmung der erektilen Dysfunktion ausgelöst. Und dabei war alles nur ein kurioser Zufall, die Entwicklung der Medikamente war einer unbeabsichtigten Nebenfunktion geschuldet.

Die Entwicklung des Klassikers – Viagra

Die kleinen blauen und rautenförmigen Pillen von Pfizer kennt wohl jeder – Viagra. Seitdem das Medikament 1998 auf den Markt kam, hat sich ein grundlegender Wandel in der Betrachtung der erektilen Dysfunktion vollzogen. Denn mit dem Medikament kam das erste Präparat auf den Markt, das wirklich zuverlässig gegen die erektile Dysfunktion half und hilft. Die Männerwelt – und natürlich auch die Frauen der von einer erektilen Dysfunktion Betroffenen – waren begeistert und nahmen die Pillen gern an. Seitdem sind sie in aller Munde. Im Laufe der Jahre hat Viagra Konkurrenz bekommen. Mit Cialis und Levitra hat der Klassiker von Pfizer mit Präparaten zu kämpfen, die ihre ganz eigenen Qualitäten haben. So kann Cialis in einer geringen Dosierung täglich eingenommen werden, wodurch der Wirkstoff dem Körper dauerhaft zur Verfügung steht und der Sex wieder spontan vollzogen werden kann. Wie Wirkung von Levitra tritt hingegen bereits bei der erstmaligen Einnahme nach wenigen Minuten ein, wodurch der Sex ebenfalls wieder spontaner wird. Zum Vergleich: Die Wirkung von Viagra tritt erst eine Stunde nach der Einnahme ein.

Helferlein nur nach Rücksprache mit dem Arzt

Die erektile Dysfunktion ist also kein Urteil mehr, das ein Trauma nach sich zieht. Der Betroffene hat zahlreiche Möglichkeiten, seine erektile Dysfunktion erfolgreich zu behandeln, wodurch sie ihren Schrecken verloren hat und das Tabu, das um die erektile Dysfunktion bestand, aufgebrochen wurde. Die Potenzmittel sollten allerdings nicht einfach so gekauft und eingenommen werden, auch wenn die Scham, die bei einigen Männern noch vorhanden ist, sie vom Besuch eines Arztes abhält. Dennoch sollten sie sich überwinden, um sich untersuchen zu lassen, denn bei den Potenzmitteln handelt es sich um Medikamente, die Risiken und Nebenwirkungen aufweisen können.

Vorerkrankungen ausschliessen

Zudem sind Männer mit einigen Vorerkrankungen, die eine Ursache der erektilen Dysfunktion sein können, eine Risikogruppe, die auf Viagra, Cialis und Levitra verzichten sollten. Diese Erkrankungen müssen vor der ersten Einnahme der Potenzmittel diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Leiden die Betroffenen nicht an den Vorerkrankungen, kann der Arzt die begehrten Potenzmittel verschreiben und die passende Dosis festlegen. Einem befriedigenden Sexualleben und damit einer höheren Lebensqualität stehen damit nichts mehr im Wege.

Harald Berger

Pharmakologie ist mein Fach. Aktuell geniesse ich die Zeit nach dem Studium. Ich bin Schweizer und lebe in Bern. Ich unterstütze die Apotheke Schweiz mit Artikel sowie Produktbeschreibungen.
Harald Berger